Die Europäische Union arbeitet an der European Digital Identity Wallet, kurz EUDI-Wallet, einem ehrgeizigen Projekt zur zentralisierten digitalen Verwaltung von Nachweisen und Dokumenten. Das System soll Bürgern ermöglichen, alle wichtigen behördlichen Unterlagen, Zertifikate und Versicherungsdaten an einem sicheren digitalen Ort zu speichern und zu verwalten. Der Start ist für 2027 geplant.
Das Gesundheitswesen hat grosses Interesse an dieser Infrastruktur signalisiert. Die Vision ist, dass Ärzte und Kliniken künftig direkt über die Wallet auf die elektronischen Patientenakten (ePA) zugreifen können, ohne dass Patienten Unterlagen physisch bereitstellen oder mehrfach Informationen eingeben müssen. Dies würde Verwaltungsprozesse erheblich vereinfachen und Fehlerquellen reduzieren.
Allerdings sind grundlegende Fragen der Implementierung noch nicht geklärt. Unklar ist etwa, wie die technische Interoperabilität zwischen verschiedenen nationalen Systemen und europäischen Diensten funktionieren wird. Auch die Sicherheitsarchitektur wirft Fragen auf: Wie werden hochsensible Gesundheitsdaten geschützt? Welche Kryptographie-Standards werden verwendet? Wer kontrolliert den Zugriff, und wie wird Missbrauch verhindert? Datenschutzbedenken bezüglich zentralisierter Speicherung sind ebenfalls noch nicht vollständig adressiert.
Ein weiterer kritischer Punkt ist die Governance: Die EUDI-Wallet soll europäisch standardisiert werden, muss aber von nationalen Behörden und privaten Diensten integriert werden. Koordinationsprobleme zwischen EU-Staaten sind bei solchen Projekten historisch häufig und können zu Verzögerungen oder Sicherheitslücken führen.
Für Schweizer Unternehmen, insbesondere im Gesundheits- und Finanzsektor, ist dieses Projekt relevant für grenzüberschreitende Geschäftsbeziehungen. KMUs sollten sich bereits informieren, wie die EUDI-Wallet ihre Prozesse beeinflussen könnte und ob sie sich auf kompatible Lösungen vorbereiten müssen.
